Luigi Fiorillo (1847?Dem Fiorillo-Experten Adriano Silingardi zufolge ist das Geburtsjahr Luigi Fiorillos unbekannt; siehe: Adriano Silingardi, „Luigi Fiorillo, l’avventuroso fotografo di Alessandria d’Egitto“, academie.edu, 20 Seiten, S. 1, https://www.academia.edu/8991856/Luigi_Fiorillo_photographer_in_Alexandria. Das Geburtsjahr 1847 geben die images défense der französischen Regierung unter https://imagesdefense.gouv.fr/fr/author/index/index/id/4272968/ und das Harry Ransom Center unter https://norman.hrc.utexas.edu/photoPublic/fullDisplay.cfm?CollID=15924 an; beide ohne weitere Belege.–1898) war ein italienischer, in Ägypten und anderen Ländern des Nahen Ostens und Ostafrikas tätiger Fotograf.

Lebensweg

Über das Leben von Luigi Fiorillo ist nur wenig bekannt. Er wurde in einer Zeit gewaltsamer Auseinandersetzungen im Zuge der italienischen Nationalstaatsbildung (Risorgimento, 1815–1870) vielleicht in Neapel, vielleicht aber auch in Venetien geboren.Adriano Silingardi, „Luigi Fiorillo, l’avventuroso fotografo di Alessandria d’Egitto“, academie.edu, 20 Seiten, S. 1, https://www.academia.edu/8991856/Luigi_Fiorillo_photographer_in_Alexandria Fiorillo war ab etwa 1870 in Ägypten, Palästina (Heiliges Land) und später in Eritrea als Fotograf tätig.Bernd Stiegler, Felix Thürlemann, „Orientbilder. Fotografien 1850–1910“, Weissbooks GmbH, Frankfurt am Main 2015, Zweite Auflage 2016, ISBN 978-3-86337-037-4, S. 201 Ihm werden auch einige Fotos aus Dschidda (Jeddah) zugeschrieben, der wichtigsten Hafenstadt Saudi-Arabiens am Roten Meer.Adriano Silingardi, „Luigi Fiorillo, l’avventuroso fotografo di Alessandria d’Egitto“, academie.edu, 20 Seiten, S. 7, https://www.academia.edu/8991856/Luigi_Fiorillo_photographer_in_Alexandria

Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eröffneten zahlreiche aus Europa stammende Fotografen ihre Ateliers in der ägyptischen Hafenstadt Alexandria, darunter Spiro Caruana, Constantin Joseph Fettel, H. Léon und Andreas Reiser (1840–1898). Ägypten gehörte zwar formal bis 1914 zum Osmanischen Reich, war aber tatsächlich spätestens ab der britischen Besetzung Ägyptens im Jahr 1882 unter der Dynastie des Muhammad Ali relativ unabhängig von Istanbul. Faktisch bestimmte ab etwa 1882 vor allem der britische Generalkonsul die Politik Ägyptens.

Nachdem das Königreich Italien mit der Kolonie Assab 1870 seine erste afrikanische Kolonie erworben hatte, ließen sich mehrere italienische Fotografen im Nahen Osten und in Nordafrika nieder, darunter – neben Luigi Naretti (1859–1922), Francesco Nicotra und anderen – auch Luigi Fiorillo. Ihnen boten sich attraktive Geschäftsaussichten durch Porträtfotografie und durch den Verkauf „exotischer“ Ansichten an Touristen.Claudia Morgan, „Fiorillo, Luigi <fl. 1870-1898>“, Comune di Trieste, Biblioteche, https://biblioteche.comune.trieste.it/Record.htm?Record=19287259157910054319&idlist=1

Fiorillo eröffnete um 1870 ein Fotoatelier in Alexandria. Zunächst hatte Fiorillo sein Studio dort an der Place de Méhémet Aly.Claudia Morgan, „Fiorillo, Luigi <fl. 1870-1898>“, Comune di Trieste, Biblioteche, https://biblioteche.comune.trieste.it/Record.htm?Record=19287259157910054319&idlist=1 Fiorillo und seine Nachfolger hatten Fotoateliers an verschiedenen weiteren Adressen in Alexandria: in der Rue Sherif Pacha und in der Okelle Abro, in der Nähe der Place des Consules.Adriano Silingardi, „Luigi Fiorillo, l’avventuroso fotografo di Alessandria d’Egitto“, academie.edu, 20 Seiten, S. 10, https://www.academia.edu/8991856/Luigi_Fiorillo_photographer_in_Alexandria

Luigi Fiorillo fotografierte vor allem Ansichten, die bei Touristen beliebt waren:Bernd Stiegler, Felix Thürlemann, „Orientbilder. Fotografien 1850–1910“, Weissbooks GmbH, Frankfurt am Main 2015, Zweite Auflage 2016, ISBN 978-3-86337-037-4, S. 201 Ägyptische Altertümer, „orientalische“ Architektur, Landschaften und Monumente sowie Genremotive „exotischer Typen“, etwa: den Wasserverkäufer, den Musiker, den Eselstreiber, den Bettler, den Krieger, den Barbier, die Fellachin und so weiter.

1871 stellte Luigi Fiorillo seine Fotografien zum ersten Mal in Neapel aus. Im Jahr 1878 nahm er an der „Exposition Universelle de Paris“ teil, wo seine Fotografien eine ehrenvolle Erwähnung erhielten.Adriano Silingardi, „Luigi Fiorillo, l’avventuroso fotografo di Alessandria d’Egitto“, academie.edu, 20 Seiten, S. 1, https://www.academia.edu/8991856/Luigi_Fiorillo_photographer_in_Alexandria

Aus dem Aufdruck auf den Rückseiten seiner Atelierfotos geht hervor, dass Fiorillo 1884 auch in Ottawa (Kanada) und Boston (USA)dort wahrscheinlich auf der „American Exhibition of Products, Arts and Manufactures of Foreign Nations“ vom 3. September 1883 bis zum 12. Januar 1884 mit Preisen ausgezeichnet wurdeAdriano Silingardi, „Luigi Fiorillo, l’avventuroso fotografo di Alessandria d’Egitto“, academie.edu, 20 Seiten, S. 1, https://www.academia.edu/8991856/Luigi_Fiorillo_photographer_in_Alexandria und in den 1880er Jahren den Titel „le photographe de Son Altesse le Prince Mohammed Toussoun Pasha“ trug.Adriano Silingardi, „Luigi Fiorillo, l’avventuroso fotografo di Alessandria d’Egitto“, academie.edu, 20 Seiten, S. 10, https://www.academia.edu/8991856/Luigi_Fiorillo_photographer_in_Alexandria

Fiorillo war unter den wenigen Europäern, die in Alexandria ausharrten, während die britische Mittelmeerflotte vom 11. bis zum 13. Juli 1882 im Zuge des anglo-ägyptischen Krieges jene Stadt beschoss und erheblich beschädigte. Er dokumentierte die Zerstörungen der Stadt fotografisch, indem er zum Beispiel die beschädigten Befestigungsanlagen, die Totenetwa in seinem Foto mit der Bildunterschrift: „Les batteries du Ras-el-Tin demantélées“ und die durch den Beschuss zerstörten Gebäude und Denkmäler fotografierte.Adriano Silingardi, „Luigi Fiorillo, l’avventuroso fotografo di Alessandria d’Egitto“, academie.edu, 20 Seiten, S. 2, https://www.academia.edu/8991856/Luigi_Fiorillo_photographer_in_Alexandria Seine Aufnahmen veröffentlichte er in dem Fotoalbum Souvenir d’Alexandrie. Ruines 1882.Bernd Stiegler, Felix Thürlemann: Orientbilder. Fotografien 1850–1910. Weissbooks GmbH, Frankfurt am Main 2015, Zweite Auflage 2016, ISBN 978-3-86337-037-4, S. 201 Erhalten geblieben sind auch grausige Fotos, die Luigi Fiorillo auf dem Schlachtfeld von Tel-El-Kibir (13. September 1882) aufgenommen hat. siehe zum Beispiel Fiorillos Foto mit dem Titel „Tell el Kibir après la bataille“Adriano Silingardi, „Luigi Fiorillo, l’avventuroso fotografo di Alessandria d’Egitto“, academie.edu, 20 Seiten, S. 4, https://www.academia.edu/8991856/Luigi_Fiorillo_photographer_in_Alexandria

Luigi Fiorillo fotografiert in Alexandria im Jahr 1877 die Abreise der Expedition der Italienischen Geographischen Gesellschaft (Società Geografica Italiana) nach Shewa in Äthiopien.Adriano Silingardi, „Luigi Fiorillo, l’avventuroso fotografo di Alessandria d’Egitto“, academie.edu, 20 Seiten, S. 2, https://www.academia.edu/8991856/Luigi_Fiorillo_photographer_in_Alexandria

Während der Besetzung der eritreischen Hafenstadt Massaua am Roten Meer durch italienische Kolonialtruppen (ab dem 5. Februar 1885) und ihrer anschließenden Besetzung des Hochlandes von Abessinien bis Saati gehörte Fiorillo zum Tross des Artillerie-Kapitäns Graf Carlo Michelini di San Martino (1854–1914).Claudia Morgan, „Fiorillo, Luigi <fl. 1870-1898>“, Comune di Trieste, Biblioteche, https://biblioteche.comune.trieste.it/Record.htm?Record=19287259157910054319&idlist=1

Fiorillo erstellte auch Foto-Reportagen von den Expeditionen der italienischen Kolonialarmee, die zwischen 1887 und 1888 in Ostafrika unter der Führung von General Alessandro Asinari, Graf von San Marzano (1830–1906), durchgeführt wurden.

In der Schlacht bei Dogali am 25. und 26. Januar 1887 wurde eine italienische Militäreinheit von einem abessinischen Heer unter Ras Alula Engida (1827–1897) geschlagen. Die italienische Vergeltungsexpedition bestand aus Zehntausenden von bewaffneten Männern. Sie erregte aufgrund ihrer Größe die Aufmerksamkeit der Presse und der Fotografen. Luigi Fiorillo beantragte bei der italienischen Regierung einen Passierschein für das Kriegsgebiet, der ihm jedoch offenbar mit der Begründung verweigert wurde, dass sich dort bereits zu viele andere Fotografen aufhielten. Er ließ sich davon jedoch nicht abhalten und nahm auf eigene Faust zahlreiche Fotos von den Festungsanlagen, von Straßenszenen und Landschaften in Eritrea auf.Adriano Silingardi, „Luigi Fiorillo, l’avventuroso fotografo di Alessandria d’Egitto“, academie.edu, 20 Seiten, S. 5, https://www.academia.edu/8991856/Luigi_Fiorillo_photographer_in_Alexandria

Die italienische Kolonialarmee hatte noch keine offiziellen Militärfotografen unter Sold. Die überlieferten Fotos aus den italienischen Besitzungen in Eritrea sind dementsprechend hauptsächlich von Foto-Amateuren (darunter: Kolonialbeamte und Soldaten) aufgenommen worden. Unter den wenige Berufsfotografen, die in Eritrea arbeiteten, war Luigi Fiorillo, der dort 1885 mit Mauro Ledru (geb. 1851) und mit den Brüdern Nicotra eintraf. Diejenigen Berufsfotografen, die sich vorübergehend in der italienischen Kolonie niederließen und dort Militäranlagen, Landschaften und Porträts von Soldaten aufnahmen, wurden wahrscheinlich ganz oder teilweise von der italienischen Kolonialverwaltung oder von den italienischen Unternehmen bezahlt, die an der Ausbeutung der lokalen Ressourcen interessiert waren.Adriano Silingardi, „Luigi Fiorillo, l’avventuroso fotografo di Alessandria d’Egitto“, academie.edu, 20 Seiten, S. 5, https://www.academia.edu/8991856/Luigi_Fiorillo_photographer_in_Alexandria

Bereits 1890 wurde Luigi Fiorillos Atelier in Alexandria in „L. Fiorillo & Fils“ („L. Fiorillo & Sohn“) umbenannt; es befand sich weiterhin in der Rue Sherif Pacha. Luigis Sohn Federico Fiorillo (geboren 1875)Adriano Silingardi, „Luigi Fiorillo & Federico Fiorillo, Luigi Fiorillo, l’avventuroso fotografo di Alessandria d’Egitto“, https://www.adrianosilingardi.it/fototeca/impero-ottomano/collezioni-ottomani/luigi-fiorillo beteiligte sich an der Geschäftstätigkeit des Foto-Ateliers. Die Fiorillos lieferten Fotoabzüge an Félix Bonfils für seine Publikation „Nazareth et ses environs“ („Nazareth und seine Umgebung“), St. Petersburg (1894).Adriano Silingardi, „Luigi Fiorillo, l’avventuroso fotografo di Alessandria d’Egitto“, academie.edu, 20 Seiten, S. 7, https://www.academia.edu/8991856/Luigi_Fiorillo_photographer_in_Alexandria